Ziel des Kongresses

Umweltschutz als Heimatschutz

Der Referent_innenrat der HU Berlin, insbesondere das Referat für Ökologie und Umweltschutz und das Referat für Antifaschismus veranstaltet am Samstag, den 02. Juli 2011 einen ganztägigen studentischen Kongress zum Thema „Getrübte Biotope“ -Menschenfeindliche Bio-Politik und Ökologie. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Bei größeren Gruppen bitten wir um Ankündigung.

Der Begriff der Biopolitik nimmt, nicht erst seit der Debatte um die Präimplantationsdiagnostik, Krankenversicherungsbedingungen oder der Sicherheitspolitiken, eine bedeutende Rolle im politisch-wissenschaftlichen Diskurs ein. Die feministische Soziologin Élisabeth Badinter fasst in ihrem Buch „Der Konflikt“ die Auswirkungen der Dominanz der Natur in gesellschaftlichen Debatten folgendermaßen zusammen: „Heute fungiert die Natur als entscheidendes Argument, wenn Gesetze erlassen oder Vorschläge entwickelt werden. Sie ist zu einer kaum angreifbaren ethischen Bezugsgröße geworden, die alle anderen Argumente blass aussehen lässt.“
Heute engagieren sich im Bereich Ökologie, von Anti-AKW Protesten, Biolandbau und genmanipuliertes Saatgut auch wieder Menschen mit völkisch-autoritärem Denken. Die Produkte des ehemaligen SA-Mitglieds Dr. med. Max-Otto Bruker sind in den Sortimenten fast aller Naturkostläden erhältlich, die NPD widmet sich immer häufiger dem Naturschutz und Rechtsextreme nehmen an Castor-Blockaden teil. Ursächlich hierfür sind auch historische Wurzeln des Themas und die auf dem Gebiet der Ökologie kaum bearbeitete Zeit des Nationalsozialismus, die immer noch wirken.

Als bestes Beispiel kann die völkische Artamanenbewegung mit Reichsführer SS Heinrich Himmler, KZ-Kommandant Auschwitz/Birkenau Rudolf Höss und Reichnährstandführer Walther Darré angebracht werden, welche als „Neo-Artamanen“ in Mecklenburg seit den 90er Jahren wieder Siedlungstätigkeit entfaltet und Biolandbau betreibt.

Die Etiketten Bio, Ökologisch und Tierrechte haben nun in weiten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kreisen Einzug gehalten ohne aber soziale oder geschichtliche Bearbeitung erfahren zu haben.. Das zeigt sich besonders an der unkritischen Nutzung der Theorien zu den Themen Ökologie und Gesellschaft vom Antisemiten Rudolf Bahro und nationalkonservativen Herbert Gruhl mit seinem nationalsozialistischen Freund Baldur Springmann in der heutigen Zeit. Es ist daher weder Zufall noch pures Kalkül, wenn Neo-Nazis auf bio-politischen Veranstaltungen in Erscheinung treten, wie am 22.1.2011 auf der „Wir haben es satt“ – Demo in Berlin. Auch die Bildungslandschaft bleibt hiervon nicht unberührt, Biologismen sind in vielen Studiengängen Standardrepertoire.

Auf Grund der wieder stärker werdenden Brisanz des Themas wollen wir vertiefend, wissenschaftliche Erklärungsansätze bieten und mit praktischen Handeln verbinden.
Der Kongress am 2. Juli 2011 soll hierzu fernab von Extremismusdebatten ein Gesamtbild erarbeiten und durch Workshops Ansätze für einen Umgang mit diesen Phänomenen liefern. In diesen Diskurs wollen wir uns mit einem Tagungsband einbringen. Wir hoffen, auf zahlreiche Teilnahme kritischer Student_innen, um den Kongress zu einem Forum zu machen, in welchem Dialog und konstruktive Ansätze entwickelt werden können.

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