Programm

Kongress Menschenfeindliche Biopolitik und Ökologie an der HU Berlin vom 1. – 2. Juli 2011 des Referates für Ökologie und Umweltschutz

1. Juli 2011 Freitag

// 19.30 Uhr Dokumentarfilm

„LEBEN AUSSER KONTROLLE – VON GENFOOD UND DESIGNERBABIES“

im SBZ Krähenfuß, HU-Ostflügel, Dorotheenstraße 17

2. Juli 2011 Samstag

// 09.15 Uhr Begrüßung, Programmablauf (HU-Kinosaal)

// 09.45 Uhr Grußworte

// 10.00 Uhr Einführungsvortrag (HU-Kinosaal)

Menschenfeindliche Biopolitik und ihre (ökologisch-sozialen) Auswirkungen auf die Gesellschaft

Prof. Alex Demirović, Promotion in Philosophie: „Jenseits der Aesthetik.“, Habilitation in Politikwissenschaft: „Der nonkonformistische Intellektuelle.“, langjähriger Mitarbeiter am Institut für Sozialforschung, verschiedene Vertretungs- und Gastprofessuren. Gegenwärtig an der Technischen Universität in Berlin. Arbeitsgebiete: Staats- und Demokratietheorie, kritische Gesellschaftstheorie, Intellektuellenstudien, Rassismusforschung.

 // 11.00 Uhr Pause

// 11.30 Uhr Vorträge und Workshops (6)

  • Vortrag (HU-Kinosaal)

Rassifizierte Gene und Genetifizierte ?Rassen?: Differenzen in den aktuellen Lebenswissenschaften

Biologische ‚Rasse‘-Konzepte haben trotz der massiven Kritiken überdauert. Dies nicht nur bei der extremen Rechten und am Stammtisch, sondern auch in mehreren der derzeit produktivsten Wissensbereiche vom Leben. In der Medizin, der Genetik, Anthropologie, Pharmakologie, Evolutionsforschung und Forensik ist die Kategorisierung von Menschen in wenige Gruppen en vogue und hat sich mit den neuen technischen Methoden zur Sequenzierung noch ausgeweitet. Im Beitrag werden diese Kontinuitäten und neuen Entwicklungen vorgestellt und ihre Folgen auch für eine zeitgemäße antirassistische Positionierung diskutiert.

Tino Plümecke, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt „Genetische Diskriminierung“ an der Uni Frankfurt/M.

  •  Vortrag (Hörsaal)

Alwin Seifert und der Nationalsozialismus

Bis heute ist Alwin Seifert (1890-1972), Landschaftsgestalter, Naturschützer und Fürsprecher der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, höchst umstritten. Der Vortrag beleuchtet Seiferts Wirken im Nationalsozialismus und geht auf die damit verbundenen Legenden und Kontroversen ein.

Dr. Christoph Kopke, derzeit freier wissenschaftlicher Mitarbeiter am MMZ der Universität Potsdam und freiberuflicher Politikwissenschaftler. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Nationalsozialismus und zur extremen Rechten.

  • Vortrag (Hörsaal)

Patentierte Biologie — Die Geschäfte mit der Natur

10 Millionen Menschen sterben nach Schätzungen der WHO weltweit jedes Jahr an Krankheiten, die mit Medikamenten behandelbar wären. Sie bleiben jedoch von der Gesundheitsversorgung ausgeschlossen. Wirksame Medikamente sind für die meisten Menschen unbezahlbar. Wenn es sie überhaupt gibt. Weltweit werden nur 10% aller Forschungsgelder für die Erforschung von Therapien investiert, die 90% der globalen Krankheitslast ausmachen — sie werfen schlicht zu wenig Gewinne ab.

Der größte Teil pharmazeutischer Grundlagenforschung wird heute an öffentlichen Forschungs-einrichtungen durchgeführt, die mit Steuergeldern finanziert werden. Dennoch bleiben die meisten Menschen in Trikont-Staaten von deren Erfolgen ausgeschlossen. Dasselbe gilt auch für viele andere Wirkstoffe, insbesondere für überlebenswichtige Medikamente gegen HIV/AIDS.

Die brutale Wirkung geistigen Eigentums lässt sich nicht nur an der Patentierung von Medikamenten und deren Wirkstoffen, sondern auch an den Lebensgrundlagen von Patient_innen zeigen. Vor allem in Lateinamerika bewirkt die Patentierung vorab entschlüsselter Gencodes von Getreide- oder Maissorten durch westliche Unternehmen eine Privatisierung der Biodiversität und damit den nachhaltigen Ausschluss weiter Bevölkerungsteile von der Subsistenzwirtschaft und ihren ursprünglichen Lebensgrundlagen.

Beteiligte Inis:

UAEM (Universities Allied for Essential Medicines) — Die studentische Initiative UAEM Germany ist Teil des internationalen Netzwerks UAEM, das aus fast hundert Lokalgruppen (u.a. in Yale, Harvard, Oxford), davon fünf in Deutschland, besteht. UAEM vertritt die Überzeugung, dass öffentliche Forschungseinrichtungen dazu beitragen sollten, medizinische Fortschritte weltweit jedem Menschen zugänglich zu machen. Dazu informiert UAEM die akademische Gemeinschaft, fördert die Diskussion mit Entscheidungstragenden und schafft ein öffentliches Bewusstsein für die Thematik.

Arbeitskreis kritischer Juristinnen und Juristen Berlin — Der akj an der Humboldt-Uni versteht sich als offenes, linkes Forum für rechts- und allgemeinpolitische Diskussionen. Wir sind von jeglicher Partei- und Vereinspolitik unabhängig. Unser politischer Standpunkt ist vor allem durch den Hang zur sozialen Emanzipation geprägt. Soziale Emanzipation bedeutet für uns, dass die bestehenden Über- und Unterordnungsverhältnisse zwischen Menschen bzw. zwischen Menschen und dem Staat nicht als Ende der Entwicklung anzusehen, sondern in Frage zu stellen sind und schließlich aufgelöst gehören.

  • Vortrag (Besprechungszimmer)

Einblick in menschenfeindliche Ökologien: heutige Siedlungsstrukturen und Traditionslinien in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft

In dem Vortrag wollen wir uns u.a. mit der Frage beschäftigen, wie das Thema menschenfeindliche Ökologie besetzt wurde und wird. Welche Auswirkungen hat diese Auslegung auf die Politik, auf Wissenschaft und Wirtschaft? Welche Auswirkungen auf die Gesellschaft sind feststellbar?

Hierzu werden wir den Siedlungsgedanken aufgreifen und die darin vorgestellte völkisch-autoritäre Gemeinschaft analysieren: Was wird als „gesund“ und was als „krank“ definiert? Und welche Konsequenzen kann diese Dichotomie haben?

Thorsten Schäfer, Studium der Politikwissenschaft, freiberuflicher Teamer und Berater, Beratungsarbeit im Landesprojekt Mecklenburg-Vorpommern mit den Themenschwerpunkten Menschenrechtsschutz und völkisch-autoritäre Ideologie und deren Auswirkungen in der Ökologie und auf die Bereiche Wirtschaft und Politik

  • Workshop (Foyer)

Trittbrettfahren in Theorie und Praxis? — Rechtsradikale Kritik an der Agro-Gentechnik — Beispiele aus Zivilgesellschaft, Parlamenten und Texten

Kurze Inputs (je etwa 5 Minuten) werfen Schlaglichter auf drei Bereiche: (1) Agro-Gentechnik im Wahlprogramm der NPD und deren Aktivitäten in Landesparlamenten; (2) Unterschiede zwischen linker und rechter Gentechnikkritik und (3) Trittbrettfahren Rechtsextremer in Demonstrationen und in anderen konkreten Situationen und wie darauf reagiert wurde.

Im Workshop soll über die Kritik der Rechtsradikalen weiterdiskutiert werden. Zudem sollen Wege gezeigt und entwickelt werden, wie auf die Aktionen von Rechten reagiert werden kann.

Anne Bundschuh, Birgit Peuker und Christof Potthof sind beim Gen-ethischen Netzwerk im Bereich Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion tätig (www.gen-ethisches-netzwerk.de )

  • Workshop (Besprechungszimmer)

Geschlechterbiologismus von rechts

Raus aus den Köpfen — Genderterror abschaffen!“ heißt eine Kampagne aus dem neonazistischen Spektrum — gemeint ist: zurück zu den „natürlichen“ Geschlechterrollen, Schluss mit der Verwirrung! Echte Männer müssen wieder echte Männer sein, Frauen endlich wieder Frau (d.h. Mutter) sein dürfen. In einem mit vielen Beispielen angereicherten Vortrag wird das klassische Geschlechterrollenideal der völkischen extremen Rechten vorgestellt und mit der Realität in der rechten Szene abgeglichen. Aber auch neuere Entwicklungen werden beleuchtet, wie die Straßenkämpferinnen der „Autonomen Nationalisten“— und wir können diskutieren, was das für die Konstruktionen geschlechtlicher Identitäten (auch) in der extremen Rechten heißt.

Eike Sanders ist Mitarbeiterin des Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum e.V., Berlin (apabiz) und veröffentlichte zuletzt, zusammen mit Ulli Jentsch, zum Thema „AN und gender“ in: Schedler, Jan / Häusler, Alexander (Hrsg.): Autonome Nationalisten. Neonazismus im Wandel, Wiesbaden 2011

// 12.45 Uhr Mittag – Essen für alle (günstiger Preis)

// Fortsetzung 14.00 Uhr Vorträge und Workshops (5)

  •  Vortrag (HU-Kinosaal)

150 Jahre Rudolf Steiner … Zur Aktualität des Mythos ‚Rasse’ in der Anthroposophie

Die Anthroposophie rückt seit Beginn des Jahres 2011 erneut ins Rampenlicht des medialen Interesses. Im Mittelpunkt steht Steiner als Humanist und Okkultist und sein Einfluss auf eine Vielzahl gesellschaftlicher Bereiche: von der anthroposophischen Naturheilkunde, über die bio-dynamische Landwirtschaft, anthroposophische Finanzdienstleister bis zur Waldorfpädagogik. Wie aber gehen anthroposophische Institutionen heute mit Rudolf Steiners rassentheoretischem Erbe um? Der Vortrag wirft Schlaglichter auf die jüngste Geschichte einer Abwehr des ‚Rassismusvorwurfs’ seitens offizieller VertreterInnen der Anthroposophie in Deutschland. Dabei wird gezeigt, dass die Abwehr der Rassismuskritik einerseits auf einer Reartikulierung des biologistischen Rassekonzepts und andererseits auf einer Kulturalisierung von ‚Rasse‘ basiert.

Jana Husmann (Dr. phil.), Kulturwissenschaftlerin und Genderforscherin, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Graduiertenkolleg „Geschlecht als Wissenskategorie“ der Humboldt-Universität zu Berlin.

  •  Vortrag (Hörsaal)

Menschenfeindlichkeit in der Wissenschaft und ihre Folgen

In diesem Vortrag werden der Beitrag der frühen humanbiologischen Wissenschaften zu menschenfeindlichen Biopolitiken des 20. Jahrhunderts erläutert und die Rolle bestimmter forschungsleitender Paradigmen bei der Erzeugung des unerwünschten „Anderen“ verdeutlicht.

Dr. Michael Gommel ist Medizin-, Forschungs- und Organisationsethiker und beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Menschenbildern in den humanbiologischen Wissenschaften.

  •  Vortrag (Hörsaal)

Verschiebungen im biologischen Determinismus: das Beispiel Sarrazin

Der Fall „Sarrazin“ wurde in den Medien überwiegend als Fall eines biologisch-rassistischen Ausreißers behandelt, der einen alten Biologismus bediene. Seine Kritiker wussten sich dementsprechend auf der sicheren Seite, ist doch seit dem Ende des Humangenomprojekt der genetische Determinismus von der Genomforschung selbst in Frage gestellt worden. An die Stelle des genetischen Determinismus ist jedoch eine andere Form des biologischen Determinismus getreten, und zwar eine physiologisch-neurologische Variante. Im Vortrag wird diese Verschiebung nachgezeichnet und zur Diskussion gestellt, inwieweit nicht auch Thilo Sarrazins Thesen („Deutschland schafft sich ab“, 2010) gerade als Variante dieses neuen biologischen Determinismus zu werten sind. In Verbindung mit sozialdeterministischen Vorstellungen bietet der physiologisch-neurologische Determinismus ein biologistisches Grundgerüst auch für einen kulturellen und Sozialrassismus.

Vanessa Lux ist Diplom-Psychologin und arbeitet derzeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Kulturelle Faktoren der Vererbung“ am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin.

  •  Vortrag (Besprechungszimmer)

Ökopolitiken zur Erhaltung der („Volks“-)Gesundheit und der Rückgriff auf Erinnerungen

Maßnahmen zur Regulation der „Gesundheit der Bevölkerung“ sind seit dem 18. Jahrhundert Thema politischer Auseinandersetzungen und Bestandteil von Regierungspraxen auf unterschiedlichen Ebenen — seien es die regionale, die nationale oder seit Mitte des 20. Jahrhunderts die europäische und die UN-Ebene. In Deutschland wurde mit der Urbanisierung und der Bildung des Nationalstaates eine staatliche Gesundheitsfürsorge institutionalisiert, die in engem Zusammenhang mit der Sozial- und Wirtschaftspolitik stand. Die Vorstellung einer allgemeinen „Volksgesundheit“, oft verknüpft mit Umwelt-, Sozial und Wirtschaftspolitikfeldern, ist nicht nur historisch zu verorten. Dabei steht neben der Disziplinierung des Individuums vor allem die Konstitution einer Bevölkerung als „Masse“ im Vordergrund. In diesem Vortrag will ich Verknüpfungen zwischen Biopolitik, Umweltschutz und Gesundheitsfürsorge aufzeigen, die letztlich der Erhaltung des nationalen Kollektivkörpers dienen, um so die gegebenen hegemonialen Verhältnisse im Nationalstaat zu sichern.

Annett Schulze hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Nordamerikastudien und Psychologie an der Freien Universität Berlin studiert. Derzeit promoviert sie zu „Konstruktionsversuchen von national-kulturellem Funktionsgedächtnis im Post-Apartheid-Südafrika“. Sie ist assoziiertes Mitglied des Graduiertenkollegs „Geschlecht als Wissenskategorie“.

  •  Workshop (Foyer)

Schutzgemeinschaft deutscher Äcker — Neonazistischer Umweltschutz als Heimatschutz

Ob NPD-Kader oder parteifreie Kräfte, Neonazis engagieren sich in umweltpolitischen Zusammenhängen: in regionalen Initiativen gegen den Bau von Schweinemastanlagen ebenso wie in der Anti-Gentechnikbewegung oder gegen Atomkraft. Umweltschutz ist für Neonazis dabei immer als Heimatschutz konnotiert. Er fusst auf völkischer Ideologie. Ihr Politiken sind geeignet, (neu-)rechte Ideologeme wie Rassismus, Anti-Amerikanismus etc. zu transportieren. Wir fragen nach den historischen Linien neonazistischen Engagements im Umweltschutz und schauen auf deren aktuelle Ausprägung.

Sebastian Striegel hat an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und und der Freien Universität Berlin Politikwissenschaft studiert und arbeitete währenddessen u.a. im Projekt „Gentechnikfreie Regionen“ des BUND e.V. Nach seinem Studium war er als Regionaler Berater gegen Rechtsextremismus bei Miteinander e.V. in Sachsen-Anhalt tätig. Striegel ist seit April 2011 Abgeordneter im Landtag von Sachsen-Anhalt.

// 15.15 Uhr Kaffee/Tee-Pause

// 16.00 Uhr Podiumsdiskussion „Welche Biopolitik und Ökologie wären Alternativen?“

Diskutierende: verschiedene VertreterInnen aus Wissenschaft und Initiativen

// 17.30 Uhr Verabschiedung und Hinweis auf Party

// 18.00 Uhr Ende – anschließend Party (Krähe)


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